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www.rhetorik.ch aktuell: (30. Mar, 2007)

Gabriele Pauli in Latex-Handschuhen

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Ein gefundenes Fressen für die Medien: Eine Politikerin hat ihr hübsche Gesicht mit einer schwarze Domina Maske geschminkt, ist mit einem knappen Rock und Latex Handschuhen in der April-Ausgabe des Personality-Magazins "Park Avenue" zu sehen. Die Politikerin ist Gebriele Pauli.

Gabriele Pauli rechtfertigte ihre umstrittenen Aktion: Ich sehe das als Fotokunst. Das war einfach mal was anderes für mich, für ein Hochglanzmagazin stand ich noch nie Modell. Diese Bluse, dachte ich, wirkt eher bieder. Das könnte ich zur Arbeit anziehen. Gabriele Pauli weiter: Die Fotos entstanden in einer Villa in München. Plötzlich haben sie mir Latex-Handschuhe gegeben. Ich fand die Idee kreativ und künstlerisch.


Nachdem die Schweizer Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sich mit einem Piaf Lied in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit verschaffen wollte und bei der Bundespräsidentin schon einmal die Frage diskutiert worden war, ob es klug sei, sich mit Gags zu pofilieren - anstatt politische Botschaften zu übermitteln, stellte sich bei Gabriele Pauli Latex-Pose erneut die Frage: soll eine Amtsträgerin so etwas tun?


Nach unserem Dafürhalten giessen derartige Gags vor allem Wasser auf die Mühle all jener, die beanstanden, dass Frauen viel zu wenig über politische Botschaften definiert werden, sondern in erster Linie über Frisuren, Kleider und Aeusserlichkeiten. Frau Pauli muss sich somit nicht wundern, wenn sich sich mit dieser Aktion nicht nur selbst richtet. Sie schadet allen Frauen in der Politik. Für mich ist es unvorstellbar, dass sich eine intelligente Person nicht rechtzeitig beraten lässt. Als Berater hätte ich ihr jedenfalls gesagt: Machen Sie so etwas auf keinen Fall. Dieser Gag ist nicht nur peinlich, diese Pose macht Sie auch lächerlich. Jeder professionelle Medienberater hätte der Politikerin das Ansinnen zu so diesem Gag ausgeredet. Nicht nur Medienberater - jede wohlmeinende Freundin hätte einer Politikerin, welche ihre Karriere absichtlich beenden möchte, auf Rudolf Scharpings "Bin Baden"- Erlebnis aufmerksam gemacht. Scharping liess sich vor seinem Fall unbedacht mit der Freundin plantschend im Pool ablichten. Die Frage stellt sich somit nicht, ob Gabriele Pauli sich so zeigen darf. Sie darf es selbstverständlich. Aber sie müsste sie sich der Folgen solcher mediengeilen Handlungen bewusst bleiben.

Wer sich in die Nesseln setzt, muss sich nicht wundern, wenn es brennt. Wie zu erwarten war, folgt bereits die Fortsetzungsgeschichte von Paulis Latex-Pose. Es ist Pauli selbst, die mit einer Klage die Mediengeschichte aufwärmt. Nachdem sich die CSU-Rebellin Gabriele Pauli für die April-Ausgabe der Zeitschrift Park Avenue hocherotisch fotografieren liess, will sie nun das Magazin verklagen. Doch nicht etwa wegen der Bilder auf die sie Laut "Bild online" nach wie vor stolz sei, ihr geht es nun um die schlüpfrigen Details, die Park Avenue veröffentlichte. Im Text steht:

Sie ist unkompliziert. Die Unterhose drückt sich unfotogen unterm Kleid durch? Sie zieht sie aus und lässt sie diskret in ihrer Handtasche verschwinden.


Gabriele Pauli findet, dass das eine massive Verletzung ihrer Privatsphäre ist. Sie habe ausdrücklich darum gebeten, dass alle Anwesenden den Raum verlassen. Es muss hier ein gewisser Voyeurismus stattgefunden haben, und das kann ich auf keinen Fall so hinnehmen.

Von Foto-Shootings scheint Gabriele Pauli nachträglich die Nase voll zu haben. Sie möchte sie sich wieder politisch ins Gespräch bringen. Gestern soll sie erneut einen Antrag auf eine CSU-Mitgliederbefragung an Partei-Chef Edmund Stoiber.


Kommentar: Es ist zu spät. Den Medienwirbel um die Latexpose hat Pauli selbst ausgelöst. Die Klage ist kontraproduktiv. Pauli müsste gegen sich selbst klagen: Wir kann jemand so dumm sein, und sich selbst "verheizen". Als Politikerin brachte sich die Landrätin selbst ins Offside. Doch Pauli will zwar nicht locker lassen sehr zum Ärger mancher Parteigenossen. Wir teilen die Meinung von Markus Söder: Das Ganze zeigt doch einen totalen Realitätsverlust von Frau Pauli.




Nachtrag vom 1. April, 2007: Klage

Pauli veröffentlichte auf ihrer Seite, dass Vom Landshuter Anwalt Ernst Fricke mehrere einstweilige Verfügungen wegen massiver Verletzungen des Persönlichkeitsrechts beantragt worden sind. Dies betrifft zum einen die Zeitschrift Park Avenue, "Bild" und "Az" sowie "Spiegel online", die ebenfalls nicht autorisierte Fotos der Fürther Landrätin veröffentlicht haben. Die Veröffentlichung der Fotos erfolgte gegen den Willen von Gabriele Pauli. Auch der Text zur Fotostrecke in "Park Avenue", mit Ausnahme einiger weniger Zitate seien nicht autorisiert. Lediglich eine Aufnahme, auf der die Landrätin in einem weissen Abendkleid zu sehen ist, wurde zur medialen Verbreitung freigegeben.

Es ist kein Aprilscherz: Gabriele Pauli wunderte sich am 1. April darüber, welche Fantasien sie bei Männern mit ihren angeblich ästhetisch schönen Latex-Fotos ausgelöst hat.

In der Talkshow bei Sabine Christiansen glaubte Gabriele Pauli mit einem Befreiungssschlag den Medienwirbel nach der Latex-Pose gleichsam rückgängig machen zu können. Dass sich Gabriele Pauli heute über den Medienwirbel wundern kann, das verwundert die Öffentlichkeit. Eine Politikerin sollte das ABC im Umgang mit Medien besser kennen. Mit dem Auftritt im weissen stilvollen Kleid bei Sabine Christiansen lässt sich die unbedachte Handlung nicht ungeschehen machen. In den Medien gilt leider der Grundsatz: "Gesagt ist gesagt" oder: "Falsch verhalten bleibt falsch verhalten."

Der von der Politikerin im "Bild am Sonntag" gemachten Aussage "Wegen schwarzer Handschuhe lasse ich mir nicht die Kompetenz absprechen." müssen wir entgegnen:

Wegen unbedachter Gesten, leichtfertiger Homestorys oder mediengeiler Medieninszenierungen kann sich eine Person innert weniger Sekunden ihre Kompetenz in Frage stellen und sich möglicherweise für immer demontieren.


Wenn Gabriele Pauli bei Sabine Christiansen sagte, sie möchte Privates nicht aufgeben, Spass haben und so sein, wie sie ist, gilt zu bedenken:

Niemand verlangt von einem Politiker, dass er sich verleugnet. Doch müsste er zur Kenntnis nehmen: Privates muss in der Öffentlichkeit nicht zelebriert werden. Es geht lediglich um die Grenzziehung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit.


Gabriele Pauli darf nachträglich klagen und wird vielleicht auch recht bekommen. Was die die Politikern bei ihrer Klage zusätzlich bedenken sollte: Eine Zahnpastatube ist schnell ausgedrückt. Doch lässt sich der ausgedrückte Inhalt nicht mehr so einfach und leicht in die Tube zurückbefördern. Das wird Gabriele Pauli auch erleben mit den Bildern, die sie mit einer nachträglichen Klage gelöscht haben möchte.


Nachtrag vom 5. April, 2007:

Früher hörten wir Gabriele Pauli über Stoiber sagen.

"Es tut weh, zu sehen, wie er sich selbst demontiert"


Heute könnte man sagen:

"Es tut weh, zu sehen, wie sich Gabriele Pauli selbst demontiert"


Pauli zählt nicht zu den Medienopfer (wie sie es gerne haben möchte). Sie ist ein Opfer der eigenen Aktionen geworden. Sie lancierte das Medienspektakel selbst und bewusst, weil sie davon ausging, dass Privatheit und Oeffentlichkeit beliebig gemischt werden darf. Dass Ihre Aktionen nichts - aber auch gar nichts - mit Politik zu tun haben, bestätigt die jüngste Einladung an die "Domina" Paulis zu "Big brother". Gabriele Pauli manöverierte sich somit selbst auf dieses fragwürdige Parkett.


Nachtrag vom 27. April 2007: Im Spiegel Nr 17/07 kommentierte Alice Schwarzer das unverständliche Verhalten einer sonst so intelligenten Politikerin: Alice Schwarzer ging der Frage nach, weshalb eine prominente Politikerin so naiv in diese Falle tappen konnte. Paulis kluge Freundinnen sollen sich gefragt haben: "Wie doof ist sie denn?" und hätten dazugefügt:

"Wenn sie so doof ist, dann ist sie auch zu blöd, politische Karriere zu machen."

Schwarzer meint, Pauli habe mit ihrem Körper und ihrer weiblichen Attraktivität gespielt und behauptet:

Die Fotos sind nicht künstlerisch, sondern pornographisch.


Der Fall sei interessant, weil er zeige, wie dicht beieinander das Sexy-Sein und das Käuflich-Sein liegen können.


Nachtrag vom 23. Juli, 2007: Bild Foto als Rockerbraut

Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli ist beliebt und hätte als Politikerin gute Chancen, weiter zu kommen. Mit der Latex-Geschichte hatte sie sich enorm geschadet. Leider hat sie aus alten Fehler nichts gelernt. Sonst würde sie sich nicht als Rockerbraut für Bild am Sonntag ablichten lassen. Wir finden: Eine Politikerin darf Mororradfahren und hat ein Recht auf Privatsphäre. Wir vertreten jedoch die Meinung: Als Politikerin müsste sie Privatsphäre und Öffentlichkeit strikte trennen. Wir sind überzeugt, dass die Darstellung im Bild am Sonntag vom 22. Juli Gabriele Pauli erneut geschadet hat.



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