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www.rhetorik.ch aktuell: (19. Dezember, 2006)

Beat Zemp empört die Bevölkerung



Hat es Lehrerpräsident Beat Zemp tatsächlich so gemeint, wie er es in einem Interview über die Medien verlauten liess? Nach "Blick" bemühte der "oberste Lehrer der Nation" die Glaubens und Gewissenfreiheit, um Adventskränze und Weihnachtsschmuck sollten aus den Schulzimmern verschwinden zu lassen.

Der "Blick" zitiert Kemp am 11. Dezember so:

"Adventskränze und Weihnachtsbäume haben im Klassenzimmer nichts zu suchen. Das gehört in die Familie."


Wir haben Beat Zemp oft in den Medien gesehen und gehört. Bis jetzt verstand es jedenfalls der gelernte Gymnasiallehrer, in den Medien bedachte, intelligente, unmissverständliche Aussagen zu machen.

Die Empörung, die der Präsident des Schweizerischen Lehrervereins mit seiner provokativen Forderung bei der Lehrerteams, den Eltern und in der breiten Bevölkerung ausgelöst hatte, ist nachvollziehbar. Die "Blick" Leser fragten sich: Dürfen in öffentlichen Schule Weihnachtsbräche nicht mehr zelebriert werden? Zwingt uns die multikulturelle Gesellschaft, auf solche Traditionen zu verzichten?

Auch der Präsident der Koordination islamischer Organisationen der Schweiz, Farhad Afshar bezeichnete es als "Unsinn", wenn man denke, ein Muslem würde sich an den Weihnachtsfeiern in unseren Schulen stören.



Kommentar: Jedes Land hat seine eigene Kultur. Die Meinung, die Schulen in unserem Land müssten auf ihre Weihnachtstraditionen verzichten, weil es angeblich die Religionsfreiheit so verlange, können wir nicht teilen. Alle religiösen Rituale sind im entsprechenden Kulturkreis zu tolerieren, dort wo die entsprechende Religion verwurzelt ist. In der Schweiz leben wir mit einer überlieferten christlichen Tradition. Wer fordert, auf christliche Feste zu verzichten, hat nicht begriffen, was Toleranz heisst. In jedem Kulturkreis gibt es überlieferte Werte. Auch Christen müssen sich in jeweiligen Kulturkreisen anpassen und "fremde" religiöse Feiertage und Rituale respektieren, sei es in Israel, in der Türkei oder in einem buddistischen Land. Von Nichtchristen darf erwartet werden, dass sie Weihnachtsgepflogenheiten in unserem Land hinnehmen. Niemand muss dadurch das christliche Gedankengut teilen.


Der Dachverband Schweizerischer Lehrerinnen und Lehrer sowie Zemp haben den "Blick"-bericht sofort dementiert und gemeint, seine Aussage sei falsch interpretiert worden. Auch Islamische Organisationen in der Schweiz haben dazu aufgerufen, weihnachtliche Traditionen nicht aus den Schulzimmern zu verbannen. Der vom Blick aufgewirbelte Sturm im Wasserglas

Fazit: Bei allen Kommunikationsprozessen entscheidet letztlich der Empfänger, wie eine Botschaft ankommt und nicht der Sender.

Für den Präsidenten des Lehrervereins was es nicht einfach sich aus der Situation zu befreien. Leider hatte sich Zemp durch den unprofessionellen Umgang mit Medien selbst in die peinliche Situation hineinmanöveriert. Zemps Hauptfehler war, dass er das "Blick" Interview hätte gegenlesen müssen.


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