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www.rhetorik.ch aktuell: (28. Oktober, 2006)

Gute Journalisten halten sich an Spielregeln



Ein Artikel von FACTS" über die "Arena" veranlasst mich, die Arbeit von Journalisten zu reflektieren. Es kann leider vorkommen, dass ein Journalist Aussagen entstellt und Spielregeln missachtet. "Persoenlich.com" hat in einem Interview über den "FACTS" Artikel "Licht aus für den Zirkus" bei Urs Leuthard nachgefragt, ob er tatsächlich gesagt habe, es sei sein Ziel, etwas anderes zu machen? Im Interview mit David Vonplon vom 27. Oktober hält der Moderator fest, dass er falsch und zum Teil sinnwidrig vom "FACTS"-Autor zitiert werde.

Aus dem Interwiew



Vonplon: Herr Leuthard, "die Arena war das perfekte Gefäss für das letzte Jahrzehnt" sollen sie laut FACTS gesagt haben. Stimmen Sie der Einschätzung von FACTS zu, dass der Schweiz heute nicht nur die Persönlichkeiten, sondern auch die Probleme abhanden gekommen sind? Leuthard: Dies sind in erster Linie die Thesen des FACTS-Journalisten. Natürlich haben Blocher, Bodenmann, Steinegger & Co. die Arena-Diskussionen in den 90-er-Jahren geprägt, und dies sehr erfolgreich, wie die Zahlen ja zeigen. Aber selbstverständlich haben wir heute noch genug politische Probleme, über die zu diskutieren sich lohnt. Und selbstverständlich gibt es auch heute noch viele spannende Persönlichkeiten in der Politik.
Vonplon: Stimmt es denn, dass die "Arena" nach den nächsten Wahlen ausläuft? Leuthard: Das ist die Meinung des FACTS-Journalisten, nicht meine. Ich möchte grundsätzlich festhalten, dass der betreffende Journalist zwar mit mir gesprochen hat, dass ich aber in diesem Artikel zum Teil falsch zitiert werde, zum Teil in einem sinnwidrigen Zusammenhang. Fakt ist: Die Zuschauerzahlen der Arena befinden sich seit 10 Jahren in einer leichten Abwärts-Tendenz. Trotzdem ist die Arena nach wie vor die mit Abstand wichtigste und bestgeschaute Polit-Diskussion der Schweiz. Die Arena erreicht auch heute noch Marktanteils-Quoten, von denen Sendungen im Ausland (Sabine Christiansen/ARD, Berlin-Mitte/ZDF, Offen gesagt/ORF) nur träumen können. Fakt ist auch: ich habe bereits mehrmals öffentlich kommuniziert, dass ich die Arena sicher bis nach den Parlaments- und Bundesratswahlen 2007 leiten werde. Was nachher kommt, ist nach wie vor offen. Sämtliche Optionen sind möglich. Dass die Arena nach den Wahlen auslaufen soll, ist reine Spekulation.


Ein Fehler kommt selten allein

Markus Schär, der Journalist bei "FACTS", hatte nach der Arenasendung auch mit mir gesprochen und wollte von mir wissen, was ich zur heutigen "Arena" finde. Ich vereinbarte deutlich und unmissverständlich, dass ich meine Zitate gegenlesen wolle. Der Journalist sichert mir dies zu. Zu meinem Erstaunen wurden hernach meine Aussage entstellt gedruckt, ohne dass ich die Entstellung korrigieren konnte. Es ging nur um eine Kleinigkeit, die jedoch für mich als Coach bedeutend ist. Schär schrieb, ich würde den Politikern empfehlen keinen Millimeter von der eigenen Meinung abzurücken und 1000 Mal dasselbe zu sagen. Ich beschrieb aber dem Journalisten nur, dass in der "Arena" viele Politiker gebetsmühlenartig immer die gleiche Botschaft wiederholen. Dass dies aber nichts mit Dialog zu tun habe. Die "Arena" sei im Gegensatz zum "Club" eine Plattform, bei der jeder seine vorbereiteten Statements los werden könne und es somit zu keiner echten Diskussion kommen könne, bei der Meinungen geändert werden könnten. Nach der verzerrten Veröffentlichung versuchte ich den Journalisten umgehend zu kontaktieren. Er war leider telefonisch nicht erreichbar. Bei Reklamationen gilt bei mir der bewährte Grundsatz: Zuerst immer die Sachverhalte direkt beim Betroffenen klären! Eine Beschwerde bei der Chefredaktion kam für mich noch nicht in Frage.

Zur Beanstandung

Ich schilderte Herr Schär die peinliche Situation und bekundete mein Erstaunen, dass meine Aussage im "FACTS" entstellt zitiert wurde. Dann wollte ich wissen, weshalb er sich nicht an die eindeutige Vereinbarung gehalten habe und mir den Text nicht zum Gegenlesen zugestellt habe. Ich schrieb in einer Mail: Ich habe tatsächlich gesagt, dass die Arena keine echte Diskussionsplattform sei und habe beschrieben, dass viele Akteure Ihre Kernaussagen unablässig gebetsmühlenartig wiederholen. Dies trifft zu. Doch: In Ihrem Text sieht es nun so aus, als empfehle ich als Berater dieses sture Beharren und das "keinen Millimeter abrücken" von der eigenen Position. Es wird somit das Bild vermittelt, ich würde die Leute auch so "trainieren". Ich bezeichne mich bewusst als Berater und nicht als Trainer. Als Coach geht es mir immer um den dialogischen Ansatz. Die Kunden müssen vor Mikrofon und Kamera überzeugen. Das Abrichten von Menschen ist mir stets ein Gräuel. (Dies betone ich in verschiedenen Artikeln). Ich arbeite meist mit Journalisten. Ich kenne das "Unter Zeitdruck arbeiten". Ich unterstelle Ihnen somit auch keine böse Absicht. Geschehen ist geschehen. Ich werde die Kröte schlucken müssen und hoffe, dass mich nicht all zu viele Leser falsch einschätzen.

Die Entschuldigung

Markus Schär antwortete mir umgehend. Es sei am Montag und am Dienstag tatsächlich hektisch gewesen. Deshalb sei mein Wunsch untergegangen, die Zitate gegenlesen zu können. Er schrieb auch noch, ich sei der Einzige gewesen, der auf dem Gegenlesen beharrt habe. Vor allem die Politiker hätten frei heraus geredet. Aus logistischen Gründen hätte man den Artikel in dieser Form nicht schreiben können, wenn jedes Zitat hätte abgesegnet werden müssen. Im Schreiben gestand dann noch Markus Schär: "Meine Einleitung ist tatsächlich falsch, Sie haben festgestellt, nicht empfohlen, was ich Ihnen in den Mund lege. Dafür entschuldige ich mich".

Ich entschloss mich, damit die Sache damit bewenden zu lassen, obschon die Falschinformation für mich kreditschädigend sein könnte. Da sich der Journalist bei mir entschuldigt hatte, unternahm ich keine weiteren Schritte mehr. Die beiden Geschichten Leuthard und Knill können dennoch für die Leserinnen und Leser lehrreich sein:

  • Auch Journalisten machen Fehler
  • Auch als Kollege kann es sich lohnen, misstrauischer zu sein.
  • Es lohnt sich, Spielregeln zu vereinbaren. Profis hatten sich daran. Ich wurde bis jetzt noch nie enttäuscht.
  • Der Aufwand für die Journalisten ist gross, wenn gute Journalismus gepflegt wird. Das Checken von Zitaten zeichnet die guten Produkte aus.


Übrigens: Ich hatte früher mit "FACTS" Journalisten nie Probleme gehabt mit Gegenlesen (Blocheranlyse usw.) Was mir jedoch zu denken gibt: Wie ich in Erfahrung bringen konnte, hatte auch Urs Leuthard den Text das Gegenlesen vereinbart. Somit war ich nicht der Einzige.


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