Bilder von Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan mit
Totenschädeln posierten, haben zu einer Welle der Empörung geführt.
Die Bilder könnten zu einem gewaltigen Imageverlust der Bundeswehr
führen.
Quelle: Reuters report (war auf Bild und Spiegel zu sehen).
Die Bilder, von Soldaten als Andenken gemacht, wurden dann aber auf unbekannte
Weise der "Bild" Zeitung zuspielt. Es kam zu einer Flut von Bildern die
deutsche Soldaten mit Totenschädeln zeigt.
Der Fernsehsender RTL zeigte unter anderem eine Szene, in der mehrere Schädel
auf einem Bundeswehr-Fahrzeug gestapelt wurden.
Die Bilder datieren vom 11. März 2004 und sind damit rund ein Jahr später aufgenommen
worden, als die zuerst von der "Bild-"Zeitung veröffentlichten.
Die afghanische Regierung rief Deutschland dazu auf, die
mutmasslichen Leichenschändungen aufzuklären. Die Fotos seien
ein Verstoss gegen islamische Werte und Traditionen.
Der Skandal führte auch über ausführliche Diskussionen um die
Motivation der Medien, solche Bilder zu zeigen. Die Motivation nach hoen
Auflagen spielt natürlich eine Rolle. Ähnlich, wie ein Ausspruch
Man darf nicht "Gottverdammi" sagen,
die Freude am Aussprechen des Fluches auslebt. Die "Bild" Zeitung zeigten
die Bilder in erster Linie, um sie zu veröffentlichen. Man kann das
natürlich auch allen Folgepublikationen oder Kommentatoren vorwerfen.
(Dieser Aktuellartikel ist dabei miteingeschlossen.)
Kongo Müller
Ein
Artikel
von Thomas Kramer mit Titel "Schädel, Knochen und Edelweiss" weist
auf eine ältere Geschichte hin, bei der europäische Soldaten im "Auslandseinsatz"
ähnliche Fotos gemacht haben:
Solcherart Umgang mit dem Gebein des Feindes geniesst bei
europäischen Soldaten im "Auslandseinsatz" seit jeher Tradition. Als
Lord Kitchener 1899 den ersten modernen islamistischen Gottesstaat im
Sudan, übrigens eine üble Diktatur, zerschlagen hatte, liess
er dessen Gründer, den Mahdi, exhumieren und die Gebeine in den Nil
werfen. Kitcheners ursprüngliche Absicht, den extra einbehaltenen
Schädel dem Londoner "College of Surgeons" zur Verfügung
zu stellen, gab er zugunsten einer schlichten Beisetzung auf einem
Kairoer Friedhof auf. Doch auch das Gebaren der rechtgläubigen
mahdistischen Glaubenskrieger zeugte nicht von einer Achtung der
Totenruhe. Sie stellten den abgeschnittenen Kopf des von ihnen 1885
ermordeten englischen Generals Gordon öffentlich zur Schau.
Titelbild einer DDR-Publikation. Das Foto zeigt einen belgischen
Söldner aus der Truppe von "Kongo-Müller". Bild: Th. Kramer
Nachtrag vom 7. Dezember:
Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die
Bundeswehr Soldaten, die mit Totenschädeln posiert hatten,
eingestellt. Die Knochen stammten nicht von einem Friedhof sondern
aus einem lehmigen Gelände, auf dem die afghanische Bevölkerung
seit Jahren Lehm für ihre H&aum;user abbaue. Die Konchenteile
stammen vermutlich von sowjetischen Soldaten.
Quelle: Spiegel online.