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www.rhetorik.ch aktuell: (2. Oktober, 2006)

Markus Rauh und die Medien




Weltwoche Artikel: "Der heilige Markus
Markus Rauh mied früher die Medien Persoenlich. Er musste sich durch sein Engagement gegen die Asylvorlagen und als 1. Augustredner auf dem Rütli exponieren. Nun kommt Rauh nach der Abstimmungsniederlage erneut ins Rampenlicht. Aber als ehemaliger Swisscom Chef und unfreiwillig, in einer Krisensituation.

Erst nach der Asylabstimmung gab Markus Rauh zu, dass er unter Insiderverdacht steht. Dafür erntete er Kritik in den Medien, im Parlament und in der Öffentlichkeit.

Bewusstes Verheimlichen?

Schon seit zwei Wochen ist bekannt, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft und die Bankenkommission gegen Rauh wegen eines Insiderdelikts bei der Swisscom ermitteln. Dass sich das Verfahren gegen den früheren Verwaltungsratspräsidenten Markus Rauh richtet, gestand dieser aber erst am Montag nach der Abstimmung in einem Tagesanzeiger-Interview. Der Anführer des bürgerlichen Komitees gegen das Asylgesetz musste einräumen, dass er das Verfahren zuvor aus Rücksicht auf die Abstimmungskampagne geleugnet hatte. Zudem gab er zu, seine Transaktion der Börsenaufsicht nicht sofort gemeldet zu haben.

Rauhs Verschulden

Rauh hatte am 21. November eine Absicherungstransaktion für seine eigenen Swisscom-Aktien getätigt, weil er mit sinkenden Kursen rechnete. Damals habe er nicht wissen können, dass der Bundesrat zwei Tage später seine umstrittenen Swisscom-Entscheide fällen sollte. Deshalb könne keine Rede sein von einem Verstoss gegen die Strafnorm, die Aktionären das Ausnützen von Insiderwissen verbietet.




Engagement für die Asylanten - blosses Ablenkungsmanöver?

Rauhs Verhalten irritierte auch die Parlamentarier. Es wurde mit Unverständnis und Kritik quittiert. SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli erklärte sich "erschüttert" darüber, dass Rauh als Swisscom-Präsident "in die eigene Tasche geschäftet" habe. Er vermutet hinter Rauhs Engagement gegen das Asylgesetz bloss ein Ablenkungsmanöver.

Für SP-Präsident Hans-Jürg Fehr ist nachvollziehbar, dass Rauh das Verfahren aus Rücksicht auf die Abstimmungskampagne verschwiegen hatte. Er erachtet es aber auch als "gravierenden Fehler", dass er die Meldung an die Börse unterliess.

"Ich hatte keine Ahnung"

Er habe "keine Ahnung" gehabt, dass der Bundesrat zwei Tage später der Swisscom grössere Auslandbeteiligungen verbieten würde, sagte Markus Rauh im Interview mit dem Tages-Anzeiger. Rauh hatte am 21. November 2005 für über 40 000 Franken Put-Optionen auf Swisscom-Aktien gekauft. So ahnungslos konnte Rauh angeblich nicht gewesen sein, gegen den wegen Insiderverdacht ermittelt wird. Die Swisscom-Spitze soll einige Zeit vor dem Ausland-Verbot gewusst haben, dass vom Bundesrat eine genauso börsenwirksame Privatisierungsvorlage kommen würde, heisst es in den zuständigen Departementen. Rauh sei regelmässig vom Bundesrat informiert worden, so auch über die Privatisierungsvorlage. Überraschend für die Swisscom-Führung sei nur das Verbot grosser Zukäufe im Ausland gekommen.

Kommentar: Wir wunderten uns schon während der Abstimmungskampagne, dass ein ehemaliger CEO die Grundsätze der Medienrhetorik nicht lernen will. Hätte sich Markus Rauh rechtzeitig beraten lassen, so hätte er auch bei der jetzigen persönlichen Krisensituation (der vermuteten Insidergeschäfte) im Tagesanzeiger- Interview viel besser abgeschnitten.

Wir sind überzeugt, dass er mit dem Leugnen (Im Hinblick auf die Abstimmungskampagne) sich und seinem Engagement als "Gutmensch" einen Bärendienst erwiesen hat. Es ist für uns nicht ausgeschlossen, dass die schlechten Auftritte durch die psychische Belastung (Verfahren gegen seine Person) beeinflusst worden sind. Nachträglich steht fest: Besonders in so einer belastenden Situation wäre externe professionelle Beratung (Botschaften Management) erst recht notwendig gewesen.

Für Markus Rau hätte es sich die Auseinandersetzung mit den Medien doppelt gelohnt. Nicht nur bei seinem grossmütigen Einsatz für die Asylanten und die 1. Augustansprache wäre ein Training hilfreich gewesen. Auch bei der Insidergeschichte, bei der er die gravierendsten Fehler machte, hätte ihm ein professioneller Berater helfen können. Rauh ging mit dem Kopf durch die Wand. Er machte widersprüchliche Aussagen und bestritt öffentlich Sachverhalte, die ihm nun widerlegt werden können Markus Rauh hat ein Musterbeispiel geliefert, wie man es nicht machen darf.






"Sonntags Zeitung" vom 1. Oktober 2006


Nachtrag vom 22. Oktober: Schweigen wäre besser gewesen:

Schon wieder verhält sich Markus Rauh unprofessionell: Er versteigt sich in nicht nachvollziehbaren Behauptungen und Mutmassungen Er macht Schuldzuweisungen (Sündenbockverhalten) Er formuliert ungeschickt:
  • Es sei ihm die Meldepflicht nicht bewusst gewesen
  • "Ich gebe zu, dass dies vielleicht in wenig unaufmerksam von mir war."
  • Er habe eine Notlüge für einen höheren Zweck benutzt
  • Er sei Opfer des teuren Einsatzes gegen das Asylgesetz geworden
Schade, dass sich Markus Rau das ABC der Medienrhetorik nicht erwerben wollte. Er hätte nämlich gelernt, nur dann zu reden, wenn es konkrete Fakten gibt Er würde keine abschwächenden Formulierungen verwenden Er hätte schweigen gelernt, wenn nichts Neues zu sagen ist Auf jeden Fall würde er auf Vermutungen verzichten.


Artikel: "Sonntags Zeitung" vom 22. Oktober 2006


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