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www.rhetorik.ch aktuell: (10. September, 2006)

Miss-Rhetorik 2006

2001: Miss Sprache 2002: Miss TV-Karrieren 2003: Muss Miss Schweiz eine Landessprache können?


Die "NZZ am Sonntag" titelte am 10. September die Unterhaltungssendung der Miss Schweizwahl am Samstagabend mit den Worten:

"Tanz der Barbiepuppen."


Da wir verschiedentlich die rhetorischen Fähigkeiten ehemaliger Kandidatinnen vor und nach der Schlussrunde kommentiert hatten, verfolgten wir auch dieses Jahr die rhetorische Prüfungen im "Schlussspurt". Bei der zweitletzten Fragerunde (mit Fragen aus einem Katalog, der vorgängig bekannt war) interessierte uns das Verhalten und die Antworten der sechs Kandidatinnen weniges als die letzte Befragung.

Bei den bekannten Fragen vermuten wir, dass Berater die Fragerunde vorbereitet hatten. Es mussten Coachs Einfluss genommen haben, die auch Politiker trainieren, um gewählt zu werden. Die Taktik war nämlich bei allen gleich. Als hätte man geraten, möglichst vage plausible Sätze zu sagen, die überall gut ankommen.
  • So wollte eine Kandidatin einen Bauernhof renovieren, um zu beweisen, dass sie nicht nur schön ist.
  • Eine andere Kandidatin fand die eigene Familie das wichtigste in ihrem Leben.
  • Analog den Worthülsen gewisser Sportler wollte eine Teilnehmerin ihr Ziel erreichen, indem sie "das Beste gibt" und "nie aufgeben werde".
  • Lebensqualität definierte die Kandidatin aus Zug wie folgt: Lebensqualität ist wenn man gibt. Das was man gibt kommt positiv zurück.
Diese einfachen Antworten, die vorbereiten werden konnten, waren alle zu trivial und entbehrten jeglicher Stimulanz. Politiker sollten für eine künftige Miss Schweiz kein rhetorisches Vorbild sein. Denn Politiker eignen sich die Hohlformeln bewusst an, um nirgends anzücken. Für angehende Parlamentarier bewährt sich sich die "Quasselrhetorik". Sie verhilft ihnen meist zum Wahlerfolg. Was für Politiker gilt, gilt nicht für angehende Schönheitsköniginnen. Berater müssten den Frauen bewusst machen, dass auch mit einer farbigen, konkreten, stimulierenden Antwort gepunktet werden kann. Möglicherweise wurden den Kandidatinnen auch von humorvollen Antworten abgeraten.

In der Schlussrunde wurde dann den letzten drei jungen, hübschesten Frauen einzeln die gleiche Frage gestellt. Es wurde vor der Prüfung sichergestellt, dass niemand die Antworten der Konkurrentinnen mithören konnte. Diese Sequenz war für uns aussagekräftiger. Erstmals verschwand beim Überlegen das aufgesetzte "Cheese" - Lächeln.

Die letzte Prüfungsfrage im Bereich Rhetorik lautete:

"Warum muss man Sie als Miss Schweiz wählen?"




Die neue Miss Schweiz 2006 Christa Rigozzi ist 23 jä;hrig und stammt aus Monte Carasso im Tessin. Sie ist Kriminologiestudentin.
Wären die jungen Frauen gecoacht worden, hätten sie beim Antizipieren gewiss auf diese Frage eine Antwort überlegen können. Lehnt sich doch dieses Fragemodell an die Standardfragen bei Vorstellungsgesprächen an.

Bei allen Antworten fehlte "das Fleisch am Knochen". Bei der Kernaussage ("Knochen") müsste eine ergänzende konkrete Ergänzung ("Fleisch") angefügt werden, damit die Antwort überzeugt.


Bei der unvorbereiteten Frage waren die Antworten zu kurz:
  • "Weil ich schön bin, aber auch etwas im Kopf habe". (Dies war noch noch die beste Antwort)
  • "Weil ich natürlich und spontan bin" und
  • "Weil ich eine Persönlichkeit bin, die ein Ziel erreichen will und.... und ..." (Aufzählungen statt ein Argument).


Bei der jüngsten Miss-Schweiz wahl Sendung konnte man nicht nur einen Barbiepuppentanz verfolgen. Es war auch möglich,, die Kenntnisse der rhetorischen Antworttechniken aufzufrischen.


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