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www.rhetorik.ch aktuell: (12. August, 2006)

Tagesschausprecherin oder Buchschreiberin?




Quelle Bild 12.8.06
Wann ist die Neutralität einer Tagesschausprecherin gefährdet? TV Moderatorin Eva Hermann wurde von Feministischen Gruppierungen vorgeworfen, dass durch die Veröffentlichung von brisanten gesellschaftspolitischen Themen die Neutralität gefährdet sei. Die bekannte und beliebte Tagesschausprecherin schrieb in einem Gastbeitrag im "Cicero" unter dem Titel: "Die Emanzipation- ein Irrtum"

"Wir Frauen sind dem Wahn verfallen, uns beweisen zu müssen, dass wir zu allem fähig sind. Und so führen wir auf fatale Weise unsere Kräfte in die falsche Richtung. Man könnte auch sagen. Wir vergeuden sie."


Frauenverbände protestierten hierauf vehement und forderten die Absetzung von Eva Hermann.


Wir vertraten immer die Meinung, ein Mediensprecher dürfe nicht im gleichen Sender für politische Anliegen engagieren. Das Engagement in einem anderen Medium fanden wir hingegen zulässig. Eva Hermann engagierte sich für Fragen, die lange ein Tabu waren, wie: Ist die Selbstverwirklichung eine Lebenslüge? War der Feminismus ein Irrtum? Sie vertrat aber diese Meinung nicht im Fernsehen.

Als Tagesschausprecherin wäre dieses Engagement - auch in einem anderen Sendegefäss der ARD - aus unserer Sich tatsächlich fragwürdig gewesen.

Wenn ein Radio- oder Fernsehsprecher Bücher schreibt, so darf er das. Auch der Arzt Jean-Jacques Fasnacht hätte sich weiterhin in der Presse als Gegner des Endlagers in Benken engagieren dürfen und Bücher schreiben dürfen. Nur nicht im gleichen Sender, bei dem er als Radioarzt eine gewisse Reputation hat ( Stimme als Marke).

Nach unserem Dafürhalten kann im vorliegenden Fall - bei der ARD Moderatorin - nicht von einer Unvereinbarkeit oder von einer Gefährdung der Neutralität gesprochen werden.

Uns ist nicht bekannt, ob die ARD Eva Herman nahe gelegt hatte, zu kündigen oder ob die Tagesschausprecherin den Protesten der Feministinnen nachgegeben hat. Jedenfalls entschied sie sich nun für das Bücherschreiben. In einem Monat gibt sie ihren Job auf. Sie will sich nun für ihr neuen Buch mit dem provokativen Plädoyer für die Rückkehr zu Weiblichkeit und zu den eigentlichen Stärken der Frau engagieren.

Wer weiss. Vielleicht wird sie später doch wieder am Bildschirm zu sehen sein.


Übrigens kann im Allgemeinen die Meinungsäusserung ausserhalb des Berufs riskant sein. Das muss nicht unbedingt eine Buchpublikation sein. Mehr und mehr Leute unterhalten auch persönliche Blogs, online Tagebücher. Meinungsäusserung über die Firma, über politische oder andere Themen werden vom Arbeitsgeber natürlich auch mitgelesen. In vielen Fällen hatte dies schon Konsequenzen, obwohl sie in in einem anderen Medium geäussert worden sind. Besonders exponiert sind Personen, die in der Öffentlichekeit stehen, wie Moderatoren, Politiker, Journalisten, Sportcoaches oder Firmensprecher. Die gehen ein Risiko ein, wenn ihre persönliche Meinung nicht mit dem Image des Arbeitsgebers kompatibel ist. Denn auch ausserhalb ihres Berufs werden sie mit ihrer Funktion assoziiert.




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