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www.rhetorik.ch aktuell: (20. Juni, 2006)

Zur Relativität der Bewertung





Quelle: Schaffhauser Nachrichten
Positives wird zu Negativem. Oder Negatives wird positiv beurteilt? Dieses Phänomen erleben wir immer wieder.

Bei der Beurteilung der Politiker spielt gewiss der eigenen Standort des Betrachters eine grosse Rolle. Bürgerliche beurteilen in der Regel Linke eher von der negativen Seite, und umgekehrt unterstreichen Sozialdemokraten bei den SVP Vertretern eher ihre Mängel (Vorurteile prägen die Urteile).


Im Blätterwald wurde jedoch die vorgesehene SP-Fraktionspräsidentin Ursula Wyss von verschiedensten Journalisten und Kommentatoren unterschiedlich beschrieben. Es war für uns erstaunlich, wie analoge Verhaltensmerkmale unterschiedlich beurteilt wurden:

Die zielstrebige, selbstbewusste Kämpferin, die für die einen gut zuhören kann, wird handkehrum als keck (zu forsch?) bezeichnet, als eine Frau, die sich überall einmischt und dem Gegner übers Maul fahren kann.

Einerseits - so haben wir gelesen - spreche sie in freundlich-herzlichem Ton, wirke zierlich, jung und unkompliziert, anderseits neige sie jedoch dazu, anklagend den Mahnfinger zu erheben. (Zitat: SN)

Das forsch fordernde Auftreten bezeichnet die SP positiv als "Engagement". Andere sprechen hingegen negativ von "Opferrhetorik" von "Weltfremdheit" und von einem "Hang zum Deklamieren".

Die Politikerin Wyss umschreibt sich selbst als "pragmatisch aber nicht beliebig" will dennoch eine "Ueberzeugungstäterin mit viel Herzblut" sein.

Mit 26 wurde die frühere Juso-Politikerin und SP Kantonsrätin zur jüngsten Nationalrätin, bei welcher - nach unserem Dafürhalten - die medienrhetorische Techniken auffallen.

In Diskussionen griff sie überall ein, versteht es zu unterbrechen (für uns wirkt dies zwar negativ) und setzt sich meist kämpferisch durch.

Nun wird sich die jüngste forsche Fraktionspräsidentin ihre Stimme noch gezielter gegen die vielen Missstände und eine gerechtere Welt erheben können. Sie ballte übrigens bei einer Befragung die Hand zur Faust:

"Ich finde es beschämend, wie Parlamentarier aus der rechten Ecke nur ihre Interessen verfolgen und ans Portemonnaie denken!"


Möge es der kämpferischen Politikerin gelingen, die künftigen Sachfragen ohne Vorurteile zu betrachten. Ob ihr dies gelingen wird? Bei der Rhetorik geht es immer um die Dosierung. Positives kann nämlich plötzlich negativ wirken.

Unsere Prognose: Die Kämpferin Wyss wird gewiss auch künftig im politischen Alltag unterschiedlich beurteilt werden, so wie es die Medien schon vor ihrer Wahl zur Fraktionspräsidentin Wahl getan hatten.


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