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Gut drei Wochen vor der Landtagswahl in
Baden-Württemberg haben sich Ministerpräsident
Günther Oettinger von der CDU und seine Herausforderin Ute Vogt
von der SPD am 2. März beim einzigen TV-Duell einen Schlagabtausch geliefert.
Das Fernsehduell "Oettinger gegen Vogt" wird jedoch die Wahl kaum
beeinflussen. Für Experten ist Oettinger bereits gewählt.
Vor dem Duell hatte der Südwestrundfunk eine repräsentative
Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Infratest dimap"
veröffentlicht, nach der die CDU bei der Landtagswahl am
26. März auf eine absolute Mehrheit der Mandate hoffen kann. Die
CDU legte danach binnen eines Monats um einen Prozentpunkt auf
46 Prozent zu. Die SPD stagnierte bei 29 Prozent.
Dennoch war das "Duell" für Oettinger eine Feuerprobe.
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Vogt hatte bereits Duell-Erfahrung: Die Herausforderin musste schon im
Jahre 2000 mit dem damaligen Regierungschef Erwin Teufel von der CDU
die Kräfte messen. Als sie 45 Minuten vor Sendebeginn im Fernsehstudio eintraf, sagte
sie genau gleich wie Schröder vor seinem Duell; vorbereitet habe sie
sich nicht! Wir glauben dies so wenig, wie wir damals diese Bemerkung
dem Ex-Bundeskanzler auch nicht abgenommen hatten. Der Duell-Neuling
Oettinger, der 20 Minuten später ankam, sprach erstaunlicherweise
von einem "Höhepunkt im Wahlkampf" mit einer "besonderen Bedeutung".
(Wir bezweifeln ebenfalls, dass das Streitgespräch die Wahlen
stark beeinflusst).
Der direkter Schlagabtausch, von den Moderatoren bewusst gelenkt,
aber nicht unterbunden wurde, behandelte Themen der Landespolitik von
der Atomenergie über Bildung bis zur Vogelgrippe. Persönliche
Angriffe gab es selten, wobei Vogt generell ein loseres Mundwerk erkennen
liess, etwa als sie Oettinger vorwarf, mit "geschwollener Brust"
herumzulaufen.Oettinger sprach seine Diskussionspartnerin hingegen
gar als "liebe Frau Vogt" an. Kleinlaut gab sich auch der Regierungschef nicht:
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"Sie reden das Land schlecht. Es gibt keinen Grund, Angst zu verbreiten",
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hielt er Vogt vor. Diese ernannte sich im Gesprächsverlauf
kurzerhand zur "Ministerpräsidentin in Zukunft" und erzählte,
dass sie Frauen für "effektiver" als Männer halte. Aufgelockert
wurde die Diskussion durch persönliche Fragen. So wurde Oettinger
auf seine Frisur angesprochen, in der jedes Haar exakt sitzt.
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"Ich lege Wert auf ein ordentliches Äusseres",
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lautete seine Antwort. Von Vogt erfuhren die Zuschauer, dass sie
die Tür aufmacht, wenn es klingelt, und dass der Hund auf ihren
Wahlplakaten nicht ihr gehört, sondern Freunden.
Die letzte Frage ging an beide Duellanten: Was sie denn Positives
über ihr Gegenüber sagen können? "Ich finde, er hat eine
unglaublich nette Frau", lobte Vogt nicht Oettinger, sondern dessen
Gattin. Der Konter kam prompt, als Oettinger seiner Herausforderin eine
Zukunft als "gute Oppositionsführerin" voraussagte. Einige Beobachter
fanden,dass das Duell unentschieden ausgegangen sei.
Wir sehen das Resultat nicht ganz so.
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Mit "Frau Oettinger, Herr Vogt"
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lieferte Moderator Michael Zeiss
angesichts von relativ viel Verwechselbarkeit den schönsten
Versprecher des Abends. Tatsächlich gab sich Ute Vogt
"männlich". Sie wirkte recht frisch, wach, war aggressiv und
frech. Rhetorisch war ihr Auftritt allzu penetrant. Aus unserer Sicht
jedenfalls alles andere als unvorbereitet. Wir behaupten. Vogt wurde sehr
gut gebrieft. So wie sie mit der Fotographie mit dem "fremden" Hund ein
zwielichtiges Verhalten offenbart hatte, machte sie sich für uns mit
der Behauptung, sie habe sich nicht vorbereitet, unglaubwürdig. Bei
derartigen Kleinigkeiten gehen Punkte verloren.
Antizipierte Antwort
Die schlagfertig wirkende
Antwort auf die überraschende Frage des Journalisten, was Sie an
Oettinger positiv finde, war nach unserer Erfahrung - wie erwähnt
-eine typisch antizipierte Antwort, die jeder gute Coach vorgängig
besprechen würde. Der Satz
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"Er hat eine unglaublich nette Frau!"
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beinhaltet unterschiedliche Spitzen: Oettinger selbst ist nicht nett!
Die Frauen sind besser als die Männer! Die Antwort ist gewiss
durchdacht: Mit ihrer Antwort griff sie den Kontrahenten nicht direkt
an. Uns erstaunte es, dass dennoch einige Zuschauer, diese schlagfertig
wirkende Antwort gar nicht so gut fanden. Ein Zuseher sagte uns heute:
Da hat Ute Vogt einmal mehr ihre unschöne Seite gezeigt.
Ottingers Lachen konnte bei den zurückliegenden zahlreichen
Fastnachtsitzungen zur Genüge betrachtet werden. Er war bei den
meisten Übertragungen mit dabei und konnte Abend für Abend das
Zähnezeigen trainieren. Auch Vogt verstand es gut, vor Fotografen
ihre Zähne zu zeigen, ebenfalls lachend. Auch rhetorisch verstand
sie es, die Zähne zu zeigen, doch: Ohne allzu bissig zu werden.
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