Rhetorik.ch


Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com

www.rhetorik.ch aktuell: (4. Februar, 2006)

Eskalation nach Karikaturen



Was ist wichtiger, Pressefreiheit oder die Sensibilität mit religiösen Gefühlen? Wo sind die Grenzen von Kunst oder Satire? Darf man sich von religiösen Fanatikern erpressen lassen? Wie können im Zeitalter der globalen Medien verschiedene Weltanschauungen, Religionen und Kulturen friedlich zusammenleben? Wo sind die Grenzen der Redefreiheit?

Karikaturen in einer dänischen Zeitung haben diese Fragen wieder aktuell gemacht.



Quelle: SN vom 2. Februar 2006
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte Ende September 12 Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht. Eine der Karikaturen zeigte Mohammed mit einem Turban in Gestalt einer Bombe mit brennender Zündschnur. Auf einer weiteren Zeichnung hat er ein Schwert in der Hand.

Die Zeitung wollte so für Meinungsfreiheit und gegen den Druck von Islamfundamentalisten demonstrieren. Es war aus Solidarität mit einem Schriftsteller publiziert worden, der für sein Buch über den Propheten Mohammed keinen Verleger finden konnte.

Die Aktion wurde Ende Januar 2006 zu einem Politikum. Es gab Proteste, Demonstrationen, Flaggenverbrennungen. Konsulate wurden angegriffen. Dänische Produkte wurden boykotiert.

Die dänische Regierung lehnte aber eine Entschuldigung ab und weigerte sich, Druck auf "Jyllands Posten" auszuüben. Der dänische Ministerpräsident Rasmusson verteidigte die Karikaturen als Ausdruck der Pressefreiheit. Im Westen seien die Medien unabhängig von der Regierung.

Die Zeitung rechtfertigt die Veröffentlichung mit der in Dänemark geltenden Meinungsfreiheit. Die Publikation sollte auch gegen Selbstzensur bei islamischen Themen Eine Beleidigung des Islams und dessen Propheten sei in keiner Weise beabsichtigt. Schlussendlich entschuldigte sich die Zeitung. Der Chefredakteur des "Jyllands-Posten", Carsten Juste, erklärte, die Zeichnungen hätten nicht gegen dänische Gesetze verstossen, aber unzweifelhaft viele Muslime beleidigt.



Proteste im Gaza Streifen.
Die unerwartet starken Proteste hatten zur Folge, dass die Karrikaturen noch weiter verbreitet wurden. Verschiedene Zeitungen in Europa haben die Zeichnungen nachgedruckt. Aus Solidarität mit der dänischen Zeitung. Die umstrittenen Werke haben es inzwischen auf einige Titelseiten geschafft: Die "Welt" druckte heute eine der Karikaturen auf ihrer Seite Eins, andere weiter hinten im Blatt, die französische Zeitung "France Soir" übernahm ebenfalls einige der Zeichnungen. Das brauchte Mut. Ein französischer Redaktor wurde gefeuert. Die online Version der Zeitung ist seit dem 3. Februar offline. France Soir war aber finanziell in Schwierigkeiten. Auch der Chefredakteur der jordanischen Zeitung "Shihan" liess drei Cartoons drucken und stellte in die Frage: Was ist schlimmer? Solche Bilder oder Selbstmordanschläge? Seine Herausgeber antworteten mit seiner sofortigen Entlassung.


Die Karikaturen sind unterdessen auf dem Internet leicht zu finden. (Zum Beispiel auf dieser Seite, [5. Februar: die cryptome Seite ist offline, mirror 1, mirror 2] die zensuriertes oder Material von untergegangenen Webseiten sammelt. Einer der Blogs über Presse und Redefreiheit, der die Karikatur gezeigt hatte, war die ersten Februar Tage offline). Die Zeichnungen haben sich rasant verbreitet. Da sie zensuiert oder selbstzensuriert sind, finden sie sich auf Seiten, die zensuirertes Material sammeln. Die Zeichungen könnten nun auch als Symbol für die Pressefreiheit verewigt worden sein. Analog zu Fahnenverbrennungen hat das Weiterverbreiten der Bilder einen Symbolcharakter erlangt.

Immer mehr Bilder wurden im Netz gezeigt. Nicht nur bei "Free Republic", sondern auch auf den Seiten des belgischen "Brussels Journal" und in verschiedenen Weblogs und Foren, in denen intensiv über Meinungsfreiheit, Ehrverletzung und religiöse Toleranz diskutiert wird. Sie waren von keinem Zensor zu stoppen. Im Gegenteil. Der religiöse Fanatismus hat die Neugier an den Bildern noch erhöht.

Wir vermuten, dass der nachträgliche Wirbel um die fragwürdigen Bilder die Verbreitung enorm gefördert hat. Im Zeitalter des Internets müssen wir uns bewusst bleiben, dass Zensur im Netz beinahe unmöglich ist. Selbst totalitäre Staaten und Fanatiker mussten erkennen, dass sich die Verbreitung von Informationen kaum noch stoppen lässt.


Bei satirischen Bilder über den Papst oder Christus, gab es bei Darstellungen schon früher zur grundsätzlichen Frage, wo die Grenzen zwischen Satire und Kunst sind. In Frankreich wehren sich Verfechter der Meinungsfreiheit und Anhänger Voltaires gegen die Maulkörbe und die Versuche, die Medien zu zensurieren.




Reaktionen: Quellen: Swissinfo und Regula Stämpfli:
  • Der "Tages-Anzeiger": "Der Fall taugt als Lehrstück, wie explosiv in Zeiten des islamistischen Terrorismus das Verhältnis zwischen dem Westen und der islamischen Welt ist - und welche Verantwortung die Medien im 'global village' haben. Meinungsfreiheit, das steht ausser Frage, gehört zum Kern demokratischer Gesellschaften, sie ist ein Grundrecht, an dem nicht gerüttelt werden darf. (...) Nach westlichem Wertekodex sind die zwölf Karikaturen allenfalls geschmacklos. Für Muslime aber verstossen sie gegen das Verbot, den Propheten zu verunglimpfen. Das heisst nicht, dass man die Karikaturen (im Westen) nicht drucken darf, ihrer Wirkung aber muss man sich bewusst sein."
  • Peter Studer, der Präsident des Schweizer Presserates, sieht beim Betrachten der Karikaturen des Propheten keine herabsetzende Missachtung von Mohammed oder des Gottesglauben: "Es wird nämlich jener Mohammed karikiert, auf den sich gewalttätige Islamisten berufen." Für Studer ist es also offensichtlich nicht jener Mohammed, der von den führenden Gelehrten des Islams und von der überwiegenden Mehrheit der Muslime verehrt wird.
  • Der Schweizer Karikaturist Chappatte meinte, in diesem Fall sollten sture Prinzipien-Positionen vermieden werden, damit eine Diskussion stattfinden könne. "Für mich als Pressekarikaturist ist die Meinungsfreiheit unverzichtbar. Und im Islam ist die Abbildung des Propheten Mohammed absolut verboten, was ebenso unverzichtbar ist." Die Motive hinter den dänischen Karikaturen hingegen sind auch für Chappatte zweifelhaft. Für ihn bestand das Ziel darin, ihn zu zeichnen, weil es eben verboten ist. "Es ist, wie wenn man den Muslimen gesagt hätte: 'Schaut, das hier ist Euer Tabu! Ich hingegen kann damit machen, was ich will.' Das ist natürlich eine Provokation."
  • Der britische "Guardian" schrieb, das Recht auf freie Rede sei kein Recht auf freie Beleidigungen. "Zeitungen werden nicht dazu gezwungen, beleidigendes Material zu veröffentlichen, nur weil es umstritten ist".
  • Für den muslimischen Schweizer Intellektuellen Tariq Ramadan sollte die Situation aus beiden Blickwinkeln betrachtet werden. "Wir müssen sehr vorsichtig sein und zu den Moslems sagen: 'Schaut, nehmt einen kritischen intellektuellen Abstand ein, macht keine Überreaktionen. Sagt ihnen, dass das gegen eure Grundregeln verstösst und dass es nicht der Weg ist, wie man die Meinungsfreiheit verwenden sollte", erklärt er gegenüber swissinfo. Andererseits meint er, dass man trotz der Meinungsfreiheit respektvoll mit anderen Menschen umgehen sollte. "Sie müssen verstehen, dass sich die europäische Gesellschaft gewandelt hat. Nun leben Millionen von Muslimen in diesen Ländern. Und diese fügen der europäischen Kultur eine neue Sensibilität hinzu."
  • Auch der Vatikan zum Cartoonstreit geäussert. Die Karikaturen Mohammeds seien falsch. Die Meinungs- und Redefreiheit enthalte kein Recht, die religiösen Gefühle der Gläubigen zu verletzen. (Quelle: Spiegel).
  • Der pakistanische Schrieftsteller Ibn Warraq schreibt im "Spiegel": "Die in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlichten Karikaturen werfen die wichtigste Frage unserer Zeit auf: die Frage nach der freien Meinungsäusserung. Lassen wir uns im Westen in die Enge treiben durch Druck von Gesellschaften, die einer mittelalterlichen Gesinnung anhängen? Oder sind wir bereit, unser wertvollstes Freiheitsgut zu verteidigen: die freie Meinungsäusserung, eine Errungenschaft, für die Tausende ihr Leben geopfert haben? Ohne das Recht der freien Meinungsäusserung kann eine Demokratie nicht lange überleben - ohne die Freiheit zu diskutieren, unterschiedlicher Meinung zu sein, sogar zu beschimpfen und zu beleidigen. Es ist eine Freiheit, der die islamische Welt so bitter entbehrt, und ohne die der Islam ungefochten verharren wird in seiner dogmatischen, fanatischen, mittelalterlichen Burg; verknöchert, totalitär und intolerant. Ohne fundamentale Freiheit wird der Islam weiterhin das Denken, Menschenrechte, Individualität, Originalität und Wahrheit ersticken.
  • Kofi Annan: "Ich teile die Pein der muslimischen Freunde, die die Karikaturen als Beleidigung ihrer Religion empfinden, aber ich bitte sie, die Entschuldigung von Jyllands-Posten anzunehmen. Ich respektiere genauso die Redefreiheit, aber selbstverständlich ist diese niemals absolut sondern zu ihr gehören Verantwortung und Urteilsvermögen".
  • Zitat aus der Zeitung "De Volkskrant" aus Den Haag: "Auch wenn der ganze Protestlärm zu einem guten Teil aus Pflichtnummern besteht, gibt es genug Gründe für Europa, deutlich zu machen, dass hier ein zentrales Stück unserer Demokratie auf dem Spiel steht, die freie Meinungsäusserung. Es kommt nun darauf an, den Rücken gerade zu halten und nicht einzugehen auf den Ruf nach offiziellen Zurechtweisungen und politischer Einmischung, wie er vor allem von Regimes und Gruppen kommt, die mit Freiheit und Toleranz nicht sehr viel zu tun haben. Natürlich ist die Pressefreiheit nicht unbegrenzt und ist Kritik an den Mohammed-Karikaturen erlaubt. Wer meint, dass sie die Grenzen des Erlaubten überschreiten, wende sich an einen Richter. Das sind die demokratischen Spielregeln. Leider sind in Europa schon wieder weiche Knie zu sehen."
  • Die USA haben den Abdruck von Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen verurteilt: Diese Karikaturen seien für moslemische Gläubige wirklich verletzend, sagte US-Aussenamtssprecher Justin Higgins heute in Washington. Die Pressefreiheit müsse mit Verantwortung ausgeübt werden, fügte Higgins hinzu. Es sei nicht akzeptabel, in dieser Weise religiösen und ethnischen Hass hervorzurufen. Die US-Regierung setzt sich nach Higgins' Worten für "Toleranz und Respekt für alle Gemeinschaften" ein.
  • Der Spiegel kommentiert die Reaktionen: "Die Rügen gegenüber den dänischen Diplomaten wirkten deshalb weniger als echte Empörung denn als ein Anbiedern an die eigenen Völker. Gegen diese haben die arabischen Regime seit langem einen schweren Stand. Sie klammern sich an die Macht und bestrafen jede Auflehnung streng, nicht selten mit Folter. Während Widerstand in den sechziger Jahren von links kam, sind die Oppositionellen heute fast ausnahmslos Muslimbrüder und Islamisten. Genau diese hatten jedoch den Protest gegen die Karikaturen initiiert. Kairo, Damaskus, Riad, Sanaa, Tripolis und all die anderen arabischen Regime können nur hoffen, dass sich die angestaute Wut des kleinen Mannes, welche er nun so lautstark gegen das kleine Dänemark äussert, nicht bald gegen sie selbst richtet."
  • Die Zeitung "Trouw" aus Den Haag: "Journalisten bieten Entschuldigungen an, werden entlassen oder üben sich in Selbstzensur. In Deutschland gab es in den 30-er Jahren einen Begriff dafür: 'Einschüchterung'. Das beschreibt genau, was zur Zeit passiert. Langsam und schleichend. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob man Verständnis hat für Muslime, die sich durch die Karikaturen verletzt fühlen. Und auch nicht darum, wie vernünftig es ist, die Zeichnungen zu veröffentlichen oder wie geschmackvoll (und geistreich) sie sind. Darüber muss man unterschiedlicher Ansicht sein dürfen. Es geht darum, dass es unannehmbar ist, wie einige Muslime und Regierungen ihre Gefühle ausdrücken. Respekt vor der Religion kann kann nicht erzwungen mit Einschüchterung durch diejenigen, die keinen Respekt vor der Freiheit haben. Und tatsächlich - Entschuldigungen stellen die Welt dann auf den Kopf."
  • Die Berner Politologin Regula Stämpfli schreibt im "Winterthurer Stadtblatt": "Das Übermächtig-Werden der religösen Gewalten auf Kosten aller anderen politischen Faktoren ist ein Pulverfass. Selbst wenn es in zunächst harmloser Form eines Disneylands daherkommt. Denn die Heilige Schrift oder auch ein Prophet mögen zwar vielleicht gute spirituelle Ratgeber sein, dürfen aber nicht mehr von Menschen zur Politik gemacht werden. Denn dann ist die Zerstörungskraft irrsinniger Religionsmördereien nicht mehr weit. " [PDF]






Brandanschläge im Namen Mohammeds: aus Zorn über die Mohammed-Zeichnungen der "Jyllands Posten" haben syrische Demonstranten heute zuerst die dänische und dann die norwegische Botschaft in Damaskus in Brand gesetzt. Auch im Gazastreifen kam es zu Gewaltakten. Der Kulturkampf geht weiter. Auf der einen Seite sind die Verfechter der Meinungsfreiheit, die sich auf Kurt Tucholsky berufen, der einmal sagte: "Die Satire darf viel, ja eigentlich alles!" Und auf der anderen Seite gibt es die Verfechtern der Religionsfreiheit, welche keine Verletzung religiöser Gefühle zulassen wollen. Weil der Eigentümer von "France soir" ein ägyptischer Moslem ist und er den Chefredaktor entlassen hatte, sehen viele Franzosen die Meinungsfreiheit gefährdet. Die Aufruhr ebbt nicht ab.




Nachtrag vom 5. Februar: Dänisches Konsulat in Flammen Protestanten haben das dänische Konsulat in Beirut in Flammen gesteckt. Eine Analyse in der "NZZ am Sonntag" meint, dass die Meinungsfreiheit, die ein Grundwert ist. Auch die NZZ bildet eine der Karikaturen ab.

Es gibt dort auch eine Analogie zu Mani Matters Zundhölzlilied, das zum Weltkrieg geführt hat. Aus einer Bagatelle kann es einen Flächenbrand geben. Fanatiker schüren das Feuer und das Ganze könnte aus der Kontrolle geraten.

I han es Zündhölzli azündt

Manni Matter

I han es Zündhölzli azündt
Und das het e Flamme gäh
Und i ha für d'Zigarette
Welle Füür vom Hölzli näh
Aber ds Hölzli isch dervo-
Gspickt und uf e Teppich cho
Und es hätt no fasch es Loch i Teppich gäh dervo

Ja me weis was cha passiere
We me nid ufpasst mit Füür
Und für d'Gluet ar Zigarette
Isch e Teppich doch de z'tüür
Und vom Teppich hätt o Grus
Chönne ds Füür i ds ganze Hus
Und wär weis, was da nid alles no wär worde drus

S'hätt e Brand gäh im Quartier
Und s'hätti d'Füürwehr müesse cho
Hätti ghornet i de Strasse
Und dr Schluuch vom Wage gno
Und sie hätte Wasser gsprützt
Und das hätt de glych nüt gnützt
Und die ganzi Stadt hätt brönnt, es hätt se nüt meh gschützt

Und d'Lüt wären umegsprunge
I dr Angscht um Hab und Guet
Hätte gmeint s'heig eine Füür gleit
Hätte ds Sturmgwehr gno ir Wuet
Alls hätt brüelet: Wär isch tschuld?
Ds ganze Land i eim Tumult
Dass me gschosse hätt uf d'Bundesrät am Rednerpult

D'UNO hätt interveniert
Und d'UNO-Gägner sofort o
Für ir Schwyz dr Fride z'rette
Wäre beid mit Panzer cho
S'hätt sech usdehnt natina
Uf Europa, Afrika
S'hätt e Wältchrieg gäh und d'Mönschheit wär jitz nümme da

I han es Zündhölzli azündt
Und das het e Flamme gäh
Und i ha für d'Zigarette
Welle Füür vom Hölzli näh
Aber ds Hölzli isch dervo-
Gspickt und uf e Teppich cho -
Gottseidank dass i's vom Teppich wider furt ha gno


Nachtrag vom 6. Februar 2006

Uns beschäftigte immer wieder die Frage: Gibt es Grenzen bei der Kunst, Satire, oder religiöse Gefühlen oder wenn sich Menschen verletzt fühlen. Bei Rassendikriminierung, bei Sexismus, Antisemitismus gibt es klare Vereinbarungen, die auch von der Presse respektiert werden. Gibt es auch Massstäbe mit religiösen und nationalen Gefühlen? Die Zeitung "France soir" meint: "Oui, on le doit de caricaturer Dieu!" Militante Verfechter des islamischen Bilderverbotes glauben, die "heiligen" Symbole eines Landes ungestraft verbrennen, bespucken und Hassrhetoriker zu dürfen. Sie haben keine Hemmung, mit verbalen Attacken gegen die westliche Kultur zu hetzen oder Israel verbal auszuradieren. Der Westen verzichtete auf Gegenreaktionen. Die Eskalationspirale im Kulturstreit lässt sich nur durch gegenseitige Toleranz stoppen. Toleranz heisst, religiöse Abweichungen zu dulden. Ein Zitat aus der NZZ vom 6. Februar: "Toleranz tut weh".


Nachtrag vom 7. Februar 2006

Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington machte 1996 im Buch "The Clash of Civilizations" ("Der Kampf der Kulturen") die These, dass im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr Staaten sondern Kulturen aufeinanderprallen. Er prognosziterte einen Zusammenstoss von Islam und westlicher Welt. Der Islam-Experte Hans-Peter Raddatz meinte im Bild: "Es ist wirklich ein Kampf der Kulturen! Und wir im Westen haben mit Schuld daran. Wenn wir den Dialog mit dem Islam vernü;nftig und konstruktiv gestaltet hätten, dann wäre dieser Konflikt sicherlich nicht so krass ausgebrochen. Die westlichen Staaten müssen klarer herausstellen, welche Werte fü;r sie unverzichtbar sind. Wir dürfen nicht immer weiter zurückweichen. Der Staat und seine Grundrechte und dazu gehö;rt die Pressefreiheit", müssen die oberste Autorität sein.

Salman Rushdie musste sich nach der Veröffentlichung des islamkritischen Buches "Die Satanischen Verse" 10 Jahre lang verstecken, weil er von Khomeni zur Tötung "freigegeben" wurde. Der Filmemacher Theo van Gogh erhielt nach der Ausstrahlung des Films "Submission" über die Unterdrückung der Frau durch den Islam Morddrohungen. Am 2. November 2004 wurde er in Amsterdam ermordet. Der inszenierte Aufruhr nach den Karikaturen ist also kein neues Phänomen. Radikale autoritäre Systeme reagieren nach analogen Muster: Kritiker werden gesteinigt, eingesperrt und verfolgt. Auch absolute politische Systeme haben analog gehandelt: Bücherverbrennungen, Zensur, Konzentrationslager usw.

Der in pakistanischen Koran-Schulen erzogene Schriftsteller Ibn Warraq schrieb in einem Essay für Spiegel online" vom Westen: Entschuldigt Euch nicht! Tatsächlich. Schwäche wurde von Diktatoren nie respektiert. Beim jüngsten Kulturkampf besteht die Gefahr, dass das Europa unfähig ist, gemeinsam eindeutig zu reagieren. Es geht letzlich um die Freiheit der Worte und um die Freiheit der Bilder. Diese Freiheit bedeutet gleichzeitig. Sich der Verantwortung der Waffen Wort und Bild bewusst zu bleiben. An Stelle von Verboten und Gewaltaktionen sehen wir die Lösung der verhärteten Situation nur im Weg über den Dialog und Diskussionen. Dies bedingt aber die Bereitschaft, absolute Positionen in Frage zu stellen.


Nachtrag vom 9. Februar:

Das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" beugte sich den Drohungen nicht und druckte am 8. Februar die umstrittenen Karikaturen bewusst ab. Das Blatt fügte sogar noch weitere Karikaturen hinzu. Das Pariser Gericht wies zuvor Klagen muslemischer Verbände ab. Die Ausgabe mit den Karikaturen wurden wie erwartet zum Verkaufshit. Im ersten halben Tag wurden 400 000 Exemplare verkauft. Dies bestätigt einmal mehr: Proteste sind die besten PR Aktionen und somit meist kontraproduktiv. Wegen der riesigen Nachfrage musste der Verlag der Wochenzeitung die Ausgabe zweimal nachdrucken lassen.

Der "Tagesanzeiger" vom 9. Februar erhellte etwas die rechtliche Seite des Bilderstreites. Grundsätzlich darf jede Religion kritisiert werden. Das Schweizer Strafgesetzbuch setzt klare Grenzen, wenn beispielsweise, wenn "öffentlich und in gemeiner Weise" die Überzeugung anderer in Glaubensachen beschimpft oder verspottet werden. Mitte der Achzigerjahre wurde beispielsweise der Künstler Kurt Farner verurteilt. Es ging um das Bild eines Kreuzes, an dem an Stelle von Christus eine nackte Frau hing, die - so das Bundesgericht - "mit gespreizten Beinen die deutliche sichtbare Scham offen zur Schau stellt, als ob sie zum Geschlechtsakt bereit wäre." Hier sah die Justiz eine Entwürdigung des Christuskreuzes und die Verletzung der religiösen Überzeugung.

Nach dem Präsidenten des Schweizerischen Presserates Peter Studer kann bei den umstritttenen Karikaturen nicht von einer strafrechtlich relevanten Verunglimpfung des Islam gesprochen werden. Wenn der Prophet mit einer Bombe in "Spielzeugformat" im Turban dargestellt wird, sei das "eine Kritik an der Beanspruchung Mohameds durch islamistische Terroristen". Daniel Jositsch ist ebenfalls der Meinung, dass es bei diesen Karikaturen um sachliche Kritik und nicht um eine "bösartige Herabsetzung" eines Glaubens gehe. Professor Jositsch erinnert an die Gerichtspraxis. Dort wird immer herausgeschält, was unter dem Satiremantel verborgen ist: Was ist die Botschaft des Spottes? Heute sind die Ausdrucksmittel in den Medien viel drastischer geworden. Dies zeigte der Fall Nico, der den Papst auf dem Abtreibungsstuhl gezeichnet hatte. Auch in diesem Fall war die Staatsanwaltschaft nicht bereit, in der Karikatur eine Beleidigung des katholischen Glaubens zu sehen. Sie lehnte es deshalb ab, eine Strafuntersuchung einzuleiten. Grund: Nico hatte sich zur Abtreibungsfrage geäussert und damit nicht den katholischen Glauben verunglimpft.


Herrscht ein Kommunikationskrieg? [Persoenlich.com] news

Im Kulturkampf im Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit wird immer deutlicher, dass es um einen Kommunikationskrieg handeln könnte. Auf der einen Seite löste die Kritik an der Verbindung Islam und heiliger Krieg (Terrorismus) mit den zeichnerischen und verbalen Kritikpunkten gegenüber den Fundamentalisten (Selbstmordanschlägen, Gleichberechtigung der Frau usw.) einen Flächenbrand an Empörung aus. Auf der andern Seite kam es zu Hassaktionen im arabischen Raum. Häuser und Flaggen wurden angezündet. Kanzlerin Merkel wurde mit Hitler verglichen. Hassrhetorik wird zugelassen. Es gab sogar schon Tote. Kritiker werden übrigens schon früher verfolgt und getötet. Im Vergleich zu den Gewaltaktionen, den Hasstiraden und Drohungen in den Medien sind die Karikaturen im Grund genommen recht harmlos. Während im Westen bei den hiesigen Medien noch keine Polizei die Redaktionsstuben durchkämmen und auch noch keine Maulkörbe verpasst werden (Es wird derzeit höchstens freiwillig - zum Teil auch dem Druck gehorchend-, bewusst auf kritische Beiträge verzichtet) geht der Flächenbrand bei den Fundamentalisten ständig weiter.

Gibt es eine Lösung? Es stellt sich nun die Frage, wie dieser Kommunikationskrieg beschwichtigt werden könnte. Nach der NZZ vom 10. Febr.06 sollte den "Brandbeschleunigern" für die Empörungsbewirtschaftung kein Resonanzboden zur Verfügung gestellt werden. Der asymmetrische Kommunikationskrieg könnte nur dann beschwichtigt werden, wenn das bewährte Mittel der De-Eskalation genutzt wird: Den empörten und betroffenen Gruppen müsste in den Medien jeweils eine Plattform zur Verfügung gestellt werden, in der sie ihre Meinung kund tun könnten. Wenn jede Seite ohne Sanktionen ihre Meinung offen darlegen kann, kommt es immerhin zu einer Auseinandersetzung mit Argumenten. Dies wäre der erste hilfreiche Schritt zu einem Dialog und damit zu einer Beschwichtigung. Kommunikationsberater kennen ein Problem aus der Praxis: Dialoge stossen leider bei Fanatikern, Sektierern und Extremisten an Grenzen. Denn ihnen fehlt die Bereitschaft, die gegenteilige Meinung überhaupt anzuhören.


Der Comicszeichner Ralf König ist ein bekannter Geschichtenerzähler, der auch mit seinen Bildergeschichten den Karikaturenstreit kommentiert hat.



Er hat nun nach dem Karikaturenstreit ein Suite von neun Karikaturen gezeichnet, um den Bilderstreit aus seiner Sicht zu dokumentieren. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde im Feuilleton eine Zeichnung daraus publiziert. Über diese Bildergeschichten gab bislang noch keine Proteste. Der Grossteil der Serie setzt sich mit der Feigheit in Deutschland auseinander, klar Position zu beziehen. Wer im Schweizer Fernsehen den Ziischtigclub gesehen hatte, weiss, dass das Fernsehen und gewisse Zeitungen kalte Füsse bekommen hatten. König empört sich, dass die eigenen Werte unter Druck von Extremisten so rasch aufgegeben werden: "Die dänische Regierung hat sich zum Glück bisher nicht entschuldigt. Das darf sie auch nicht." Nach König hätte Kofi Annan hätte deutlich sagen sollen: "Wir sind hier im Westen und denken anders über die Dinge, und das bleibt auch so!" Zeichner König wird als Zeichner bitterbös und ihm ist es ernst: "Wenn der Westen da nicht gegenhält und seine demokratischen Werte ohne Wenn und Aber und Entschuldigung verteidigt, ist's bald vorbei mit Presse- und Meinungsfreiheit."


Nachtrag vom 12. Februar: Kontroverse um die Publikation geht weiter Nicht nur in der Sonntagspresse vom 12. Februar machen in zahlreichen Beiträgen, Kommentaren und Leserbriefen bewusst, wie kontrovers die Diskussion um die Publikation der Karikaturen geführt wird. Selbst Bundespräsident Moritz Leuenberger vertrat die Meinung, die Karikaturen hätten von den Medien nicht publiziert werden dürfen.

Neben der "NZZ am Sonntag" hatten bekanntlich "Le Temps", "24 heures", "Blick", "Weltwoche" einzelne Karikaturen abgebildet. Das Schweizer Fernsehen (Haldimann) war eindeutig gegen jegliche Publikation von Karikaturbeispielen. Im Zischtigklub zu dieser Thematik wurde deutlich, dass angenommen wurde, die Publikationen würden gleichsam den Rassenhass schüren.

FDP Präsident Fulvio Pelli wies hingegen die Interventionen Irans und des Bundespräsidenten vehement zurück. "Es sei nicht die Aufgabe des Bundespräsidenten, darüber zu urteilen, ob Medien richtig oder falsch gehandelt haben."

Die Kontroverse wurde zusätzlich durch die Stellungnahme des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten EDA verstärkt, das sich ebenfalls zu den nachgedruckten Karikaturen - gar nicht im Sinne Leuenberges - äusserte. EDA Sprecher Jean-Philippe Jeannerat meinte:

"Es ist unseres Erachtens vertretbar, dass gewisse Medien in der Schweiz die Karikaturen veröffentlicht haben".


Die Schweizer Medien hätten dies getan, um den Leuten aufzuzeigen, worum es in der Diskussion überhaupt geht. Das EDA betonte zudem, es sei nicht Aufgabe des EDA, die Medien zu beurteilen.

Fazit: Es gibt einen Gesinnungsgraben in der schweizerischen Medienlandschaft bezüglich der Publikation von Karikaturen. Es hat Redaktionen, die wollen kein Oel ins Feuer giessen und andere, die finden, man können nur über etwas reden, das man auch gesehen habe.




Nachtrag vom 17. Februar 2006: Kopfgeld

Ein ranghoher Befehlshaber der radikal-islamischen afghanischen Taliban-Rebellen hat gestern eine Belohnung von hundert Kilogramm Gold für denjenigen geboten, der den für die "gotteslästerlichen" Karikaturen des Propheten Mohammed verantwortlichen Zeichner töte. Die Zeichner stehen unter Polizeischutz. (Source: Nachrichten.at).

Demonstranten haben in Pakistan auch Puppen gehängt, unter anderem vom deutschen Vizekanzer Müntefering und des dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen.


Nachtrag vom 18. Februar, 2006: T-Shirt Provokation

Mit einem TV-Auftritt im Mohammed-Karikatur-T-Shirt hat der italienische Lega Minister Roberto Calderoli in Libyen Proteste ausgelöst, die elf Menschen das Leben kosteten. Wir finden, das Verhalten des Lega Nord Ministers hat nichts mit Presse- oder Medienfreiheit zu tun. Wir finden diesen Auftritt falsch und unbedacht.

Nachtrag vom 19. Februar: Rücktritt

Der Auftritt von Calderoli hatte Folgen. Er musste zurücktreten.


Nachtag vom 12. Februar: Annan: Statt Megaphon Diplomatie, Dialoge Annan kritisiert "Megaphon-Diplomatie" Im Streit um die Karikaturen rief Uno-Generalsekretär Annan zu einem Dialog auf, um die Lage zu beruhigen:

"Zur Zeit haben wir eine Megaphon-Diplomatie. Ich glaube, wir sollten die Megaphone ausschalten und anfangen, ruhig miteinander zu reden."


' Annan verurteilte auch die von der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlichten Karikaturen als taktlos und "beleidigend". Anderseits verurteilte er auch die gewaltsamen Reaktionen in muslimischen Ländern. Quelle NZZ online.


Nachtrag vom 14. Januar: Retourkutsche Am 14. Januar war in der "Wiener Zeitung" zu lesen:

Im Iran ist eine erste Holocaust-Karikatur auf der Internetseite des Hauses der Karikatur veröffentlicht worden. Die Zeichnung habe ein Mann aus Melbourne "aus Solidarität mit der moslemischen Welt" und als Beitrag zur Meinungsfreiheit eingeschickt, teilte die zur iranischen Zeitung "Hamshari" gehörende Institution mit.

Die Karikatur zeigte auf einem ersten Bild mit dem Titel "Auschwitz 1942" einen Juden mit Davidstern und einem Bündel. Er betritt das Konzentrationslager durch das Tor mit der Inschrift "Arbeit macht frei". Auf einem zweiten Bild mit dem Titel "Israel 2002" ist derselbe Mann zu sehen. Dieses Mal strebt er mit einem Gewehr auf ein Tor ähnlich dem KZ-Eingang zu, das die Inschrift "Krieg bringt Frieden" trägt. Das Massenblatt "Hamshari" hatte am 7. Februar einen Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb ausgeschrieben.



Wie ein Karikaturist den Karikaturenstreit kommentiert: "Haizinger: Schere im Kopf", Bunte, Nr 9, 2006"
Kommentar: Die Karikaturisten, die im Namen "der Solidarität für die moslemische Welt" bewusst provozieren gehen davon aus, dass es bei der Satire nur ein "Entweder- oder" gibt. Entweder verzichten wir alle bei sensiblen Themen generell auf Karikaturen oder wir heben alle Schranken auf. Damit würden weder "Holocoustlüge" noch ein Gesetz "Gegen den Rassismus" gelten. Alles müsste erlaubt sein. Diese Logik greift zu kurz. Denn es gilt bei allen Provokationen um ein Differenzieren. Wir fanden die Haltung des Presserates gut, der deutlich gemacht hat, dass es - trotz Pressefreiheit - immer gewisse Grenzen gibt und wo und wie diese Grenzen zu ziehen sind. Gerichte müssen bei ihren Entscheiden diffenzieren. Es spielt nämlich eine Rolle, welche Absicht unter dem Mantel der Satire verborgen ist. Wenn nun aus "Solidarität mit der moslemischen Welt" Karikaturen gezeichnet werden, die im Westen beanstandet werden könnten, so gehen wir davon aus, dass diese Bilder bei uns dennoch von den Medien als Diskussionsgrundlage publiziert würden. Wir fragen uns heute, wie lange es geht, bis diese jüngsten bewusst provokativen Bilder die im Iran publiziert wurden, auch bei uns zu sehen sind. Gewiss wird es nach diesen Publikationen im Westen kaum zu Massendemonstrationen, Gewalttaten, Brandschatzungen, Verbrennung von nationalen Symbolen, Anschlägen, Morddrohungen oder Tötungen kommen.




Nachtrag vom 28. März, 2006. Schweizer Presserat findet Abdruck verletzender Karikaturen zulässig
"Der Presserat hält den Abdruck von verletzenden Karikaturen zu religiösen Themen für zulässig. Der Abdruck muss aber eine laufende öffentliche Auseinandersetzung dokumentieren, journalistisch präsentiert werden und verhältnismässig erfolgen.

Die Freiheit von Satire und Karikatur sei weder an religiöse Bildverbote gebunden, noch habe sie auf besondere Empfindlichkeiten von orthodoxen Gläubigen abzustellen, schreibt der Schweizer Presserat in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Diese Freiheit sei jedoch verantwortlich handzuhaben." Quelle: BAZ.


Nachtrag vom 7. Oktober 2006: Neue "Mohammed-Verhöhnung" in Dänemark.

Jetzt wird in Dänemark um einen Karikaturen-Wettbewerb gestritten Die Jugendorganisation der Dänischen Volkspartei (DVP) im Sommer einen Karikaturen Wettbewerb veranstaltet bei dem die Aufgabe darin bestand, den Propheten Mohammed in der "erniedrigendsten Weise" zu zeichnen. Dabei wurde Mohammed unter anderem als urinierendes Kamel und als volltrunkener Terrorist beim Bombenlegen in Kopenhagen gezeichnet. In einer ersten Reaktion verurteilten muslimische Religionsführer die erneuten Karikaturen, riefen jedoch noch nicht zu Protesten auf. Ob es wiederum zu einer erneuten Protestwelle kommen wird? Die Bemerkung des DVP-Sprechers Sren Espersen:

"Das ist doch klasse. Wir können lächerlich machen, wen wir wollen. Ob es nun Mohammed, Jesus, Buddha oder unsere Vorsitzende ist."


Nach Angaben der Zeitung "Politiken" erstatteten 66 prominente Dänen Anzeige gegen die DVP wegen rassistischer Hetze. Das dänische Staatsfernsehen strahlte am Freitag ein Amateur-Video aus, das DVP-Mitglieder beim Zeichnen von Mohammed-Karikaturen zeigt. Der Film wurde von dem Künstler Martin Rosengaard Knudsen aufgenommen, der sich einige Monate lang als Mitglied der rechten DVP ausgab, um das Verhalten der Jugendabteilung zu dokumentieren.

Quelle: SF Scheizer Fernsehen


Nachtrag vom 8. Oktober: Neuer Boykott dänischer Waren

Die ägyptische Moslembruderschaft forderte zu einem neuen Boykott dänischer Waren auf und forderte alle Muslime auf, "ihre Entrüstung zu zeigen, aber bewusst und bedacht". Nach den Mohammed-Karikaturen und den Papst-Äusserungen zum Islam künde

"die Wiederholung solcher Akte nur von der tief sitzenden Feindschaft, welche einzelne westliche Länder gegen den Islam und seinen Propheten hegen",


hiess es in einer in Kairo verbreiteten Stellungnahme. Die Moslembruderschaft, die in Ägypten eigentlich verboten ist, aber von der Regierung toleriert wird, gilt als einflussreichste Vereinigung des politischen Islams. Sie hat Ableger in vielen islamischen Ländern. Es wird interessant zu sehen, ob nach dem Schneeballprinzip wieder eine grössere Protestwelle in Gang gebracht werden kann, oder ob sich die Empörung wegen der Wiederholung in Grenzen halten wird.


Rhetorik.ch 1998-2011 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com