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www.rhetorik.ch aktuell: (17. Juli, 2005)

TV Duell mit Angela Merkel?



Die Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist einem Medienbericht zufolge bereit, in einem Fernseh-Duell gegen den Bundeskanzler Gerhard Schröder anzutreten.


Sie wolle ein solches Rededuell im Fernsehen, damit sie mit ihrem SPD-Konkurrenten Argumente austauschen könne, sagte Merkel dem Fernsehsender Sat.1. Damit könne sie einem grösseren Publikum zeigen, dass die Union tragende Argumente habe. Schröder hatte sich schon früher zu einem TV-Duell für den Fall von Neuwahlen im Herbst bereit erklärt.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hat zwar Merkel am Wochenende davon abgeraten und findet, die Union müsse sich gut überlegen, "ob sie diese vergiftete Einladung annimmt". In einem Fernsehduell hätte Schröder dank seinem meisterlichen Umgang mit den Medien ein leichteres Spiel.

Nach unserer Prognose werden die Leute vor allem auf die Optik reagieren. Aeusserliches spielt bei Medienduellen immer eine zu grosse Rolle (Garderobe, Farben, Gesichtsbild, Blick). Erfahrungsgemäss beschäftigen sich nur sieben Prozent der Zuschauer mit den Inhalten. Wir sind überzeugt: Bei Angela Merkel wird bestimmt wiederum die Frisurfrage wieder aufgewärmt: Sind die Haare getönt oder doch Natur, gefönt usw.? Auch der Kanzler kennt die Thematik? Bei den Duellen in den USA und beim letzten Duellen Schröder gegen Stoiber schienen Äusserliches und Rhetorisches über Erfolg oder Misserfolg wesentlich mit zu entscheiden. Anderseits werden auch Kleinigkeiten beim Verhalten und bei der Stimme wahrgenommen. Ein allfälliges Duell Merkel-Schröder gehorcht zwangsläufig den Gesetzen der Medienwelt. Leider gilt bei Duellen der Schein oft mehr als das Sein. Die Effekthascherei der modernen Informationsgesellschaft wird auch diesmal dominieren.


Anderseits sind wir sicher, dass auch die Macht der Worte nicht unterschätzt werden darf. Dass auch das Duell der Wort entscheidend sein kann, zeigte das Duell der Worte im Wahlkampf 1980 zwischen Jimmy Carter und Herausforderer Ronald Reagan. Damals glänzte Carter durch Detailwissen. Am Schluss fragte Reagan unverhofft in die Zuschauerrunde:

"Geht es Ihnen heute viel besser als vor vier Jahren? Dann heben Sie die Hand!"


Kaum jemand meldete sich. Gelächter im Saal. Carter war am Boden zerstört. Reagan, der gute Kommunikator, gewann hierauf die Wahl.


Zurück zu Schröder und Merkel. Wie fragen uns: Warum stimmte Angela Merkel dem TV-Duell zu? War es Berechnung oder Naivität?


Nachtrag vom 24. Juli 2005: Merkel will nur ein Fernsehduell: Angela Merkel will aus "Zeitmangel" offenbar statt zwei Duellen nur ein Fernsehduell gegen Gerhard Schröder bestreiten. Obwohl viele Experten den jetzigen Kanzler bei einem Schlagabtausch im Vorteil sehen, und Meinungsforscher der Ansicht sind, dass Fernsehduelle Schröder mehr nutzen als Merkel und dieser staatsmännischer auftreten wird als Merkel, soll es an der CDU-Spitze hingegen heissen, Merkel habe den Vorteil des "Underdogs".

"Sie kann eigentlich nur gewinnen, weil die Erwartungen so niedrig sind".


Es gibt hier Parallelen zu den Bush-Kerry Duellen sowie den TV-Duellen Stoiber-Schröder:




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