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Auf allen Titelseiten prangte seine Foto. Heute konnte in
verschiedenen Kanälen die Moshammer-Beerdigung live im
Fernsehen mitverfolgt werden. Details rücken ins Zentrum der
Bild- und Printpresse sowie in vielen Weblogs.
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Anmerkung: Obwohl Rudolf Moshammer mit einem o geschrieben
wird [Der Begriff "Rudolf Moshammer" hat 15'700 Google Einträge], erscheint
auch der Name "Rudolf Mooshammer" an vielen Orten [Der Begriff
"Rudolf Mooshammer" hat 6220 Google Einträge].
Es könnte theoretisch durchaus passieren,
dass mittels Blogdynamik
in Zukunft der Name "Mooshammer" überhandnehmen würde. Schon jetzt
illustriert dieses Detail Wahrheitsverzerrungen im Internet.
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Er trägt lila Krawatte und schwarze Lackschuhe."
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Details werden nicht nur zu zentralen Klatschthemen.
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"In den Händen hat Mosi einen Haarbüschel seiner geliebten Daisy."
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"Bild" Leser erfahren konkret:
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"Seine Hände sind unter der Brust gefaltet. In ihnen hält
er eine Haarlocke von Daisy. Er wird sie nie wieder loslassen."
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Die Fotos des "einbalsamierten" Rudolph Moshammers erinnern an
Bräuche aus anderen Zeitepochen. Ein Titel lautet:
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"Mosi als Mumie beerdigt."
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Wieder lesen wir die Details:
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"Ein Blumenmeer bedeckt den mächtigen Mahagonisarg. Weisse
Lilien, rote Nelken. Rosen umranken die schweren Messinggriffe."
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Bei dieser Moshammer-geschichte haben wir es mit dem Phänomen
des gegenseitigen Aufschaukelns einer Mediengeschichte zu tun.
Es gibt einen Dominoeffekt. Wie nach Elvis oder Dianas Tod beginnt
eine Eigendynamik.
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"Hunderte haben sich still vor dem Gotteshaus versammelt, bis zum Abend
sind es bereits 6000. Viele haben Tränen in den Augen."
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Die Leute verneigen sich voller Ehrfurcht. Einer flüstert sogar:
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"Der Tod hat Mosi unsterblich gemacht."
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Die Boulvardpresse kostet alle Nebengeschichten aus. Sie garantieren
Einschaltquoten. Sie werden bestimmt veröffentlicht, solange
die Menschen sich für Details interessieren, wie:
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"Sein Sarg ist 2,07 Meter lang, 73 Zentimeter breit. Er wird von 15
Sicherheitsmännern bewacht. Sechs Kerzen werfen ihr Licht auf
ein grosss Foto. Zärtlich hält Mosi darauf seine
geliebte Daisy im Arm. Aus Lautsprechern erklingt das Reiterquartett
von Joseph Haydn. "Man sieht nur mit dem Herzen gut",
heisst es auf einem Sterbebild."
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Solange sich die derartige Geschichten vermarkten lassen, werden folgenden
Schlagzeilen noch viele weitere folgen:
- "Moshammers Killer in Psychiatrie verlegt"
- "So wird Moshammer zur Mumie"
- "Mosis Chauffeur 'Sein erster Bo' war Erich Mielke
- "Moshammers geheime schwule Party-Welt"
- "Mosi singt von seiner geliebten Daisy"
- "Chauffeur erbt! Mosis treuester Freund ist jetzt der neue Bo"
- "Wie läuft die Trauerfeier ab? Daisy hat den besten Platz!
- "Der Chauffeur ist eigentlich Maler"
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In Serien sind zur Zeit im Bild weitere
Fortsetzungsgeschichten zu lesen: wie
- "Was wird bleiben vom Mythos Mosi?"
- "Er jammerte: "Ich habe niemanden'."
- "Schampus aus Masskrügen, aber geleaster Rolls-Royce."
- "Ein Gepard machte in zum König der Schickeria."
- "Vor Armut hatte er die grösste Angst."
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Weshalb kam es bei Moshammer zu so einem grossen Medienphänomen?
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- Die Moshammer-Geschichte ist aussergewöhnlich.
Moshammer war eine Persönlichkeit aus der Märchenwelt.
- Die Mischung zwischen Personifizierung, Emotionalisierung steht
in einer idealen Balance zwischen realen kriminellen Tötung
und einer unrealen Traumwelt aus Glamour und Tränen.
- Die Geschichte ist nach den wochenlang
gesendeten Bildern des Grauens und Elends in Südasien
für die Medien und die Medienkonsumenten eine willkommene
Abwechslung.
- Moshammer war ein Pardiesvogel und machte Dinge, die sich andere nicht
erlauben können. Die Leser können dieses stellvertretend in
den Medien nachvollziehen.
- Viel Prominenz war an der Beerdigung. An der Zeremonie nahmen rund 400
geladene Gäste teil. Auch Roberto Blanco und
dessen Ehefrau Mireille oder
Senta Berger nahmen teil.
- Moshammer stammte aus armen Verhältnissen - sein Vater war ein
Alkoholiker - und schaffte es
während seines Lebens - zu Ruhm, Reichtum und Ansehen.
Tellerwäscherkarrieren wurden seit je vom Publikum bewundert.
- Tiergeschichten (hier mit Daisy, dem Hündchen)
sind immer mediengerecht und sichern Einschaltquoten.
- Wie bei vielen Grossveranstaltungen kam es zu typischen
Massenphänomenen
mit Eigendynamik. Der Appetit kommt beim Essen.
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